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Karl Klenk, Ehrenbürger von Dietikon

Zur Ausstellungseröffnung im Ortsmuseum am 21. 9. 2019

Am 19. Juli (wie Gottfried Keller) 2012 feierte Karl Klenk hier im OM bei beneidens-werter körperlicher und geistiger Frische seinen 100. Geburtstag. Genau 5 Jahre später wurde er beerdigt. Geboren wurde Karl Klenk in Meilen am Zürichsee. Schon in der Volksschulzeit durfte er Geige spielen lernen. Er selber beschreibt seine damaligen Fortschritte mit eher schlecht als recht. Im math.-naturwissenschaftlichen Gymnasium war er dann ein sehr interessierter, eifriger Schüler, der alle möglichen Kurse und Sportlager freiwillig besuchte. Nach der Schule wollte er eigentlich Philosophie und Sprachen studieren. Weil er ein sicheres Einkommen suchte, wurde er aber Primarlehrer und gleich anschliessend Sekundarlehrer.

Am ersten Arbeitstag im Frühling 1934 fuhr Karl Klenk nach Dietikon. Sein Vorgänger brachte ihn ins Schulzimmer, übergab ihm die Schlüssel, den Stundenplan und die Absenzenliste und sagte zu den Schülern: «Das ist jetzt euer Lehrer, gehorcht ihm!» und ging. «Ich war kaum älter als die Schüler und kam mir vor wie ein Nichtschwimmer, der ins Wasser geworfen wurde.»

Karl Klenk ist in Dietikon geblieben, auch weil ihm Neues und bisher Schulfremdes wichtig war und er hier etwas bewirken konnte. So sah er einmal bei Schülern schwarze Zähne und fragte, weshalb sie sich diese nicht flicken liessen. Da antwortete einer: «Sie, Herr Klenk, das hat bei mir keinen Wert. Meine Eltern schenken mir zur Konfirmation ein Gebiss.» Der Lehrer sprach bei der Schulpflege vor und bald wurde die Schulzahnpflege eingeführt.

Auch Berufsberatung, Schwimmunterricht und Ski- und Eistanz-Lager nahmen so ihren Anfang. «Ich habe einfach gemacht, ohne vorher um Zustimmung zu fragen. Das würde ich auch heute jungen Menschen empfehlen. Wenn du eine gemeinnützige Aufgabe siehst, nicht erst fragen, einfach machen. Alles andere folgt von selbst.» Er hat z. B. geschaut, dass alle Schüler ein Velo hatten und fuhr mit ihnen ins Schwimmbad Wettingen, so dass schliesslich alle schwimmen konnten.

K. K. war bekannt als sparsamer Zeitgenosse. Er betrieb Recycling, als man das Wort hier noch nicht kannte. Im Lehrerzimmer sammelte er alle Zeitungen und Schnüre u. brachte sie zu einer Sammelstelle, wo er ein paar Rappen dafür bekam. Viele Leute, die arm aufwuchsen, behielten ihr Leben lang diese früher überlebens-wichtige Sparsamkeit. Zur Kriegszeit erwartete auch die Schulpflege überall Spar-samkeit. So mussten die Lehrer z.B. notieren, von wann bis wann sie im Schul-zimmer das Licht brennen liessen.

Während vieler Jahre war K.K. auch Berufsberater für die Oberstufe und zeigte manchem Schüler den rechten Weg ins Berufsleben. Vielleicht hat es sogar unter euch noch Leute, die davon profitieren konnten.

Als ich selber 1970 nach Dietikon kam, war K.K. mein erster Parallellehrer. Er war ein ganz und gar unkomplizierter, offener Kollege, machte sofort Duzies und liess mir viele Freiheiten, wenn ich mit einer Idee zu ihm kam. Ich habe das sehr geschätzt. Bis 1978 war er im Zentralschulhaus Klassenlehrer und gab nach der Penisionierung noch einige Jahre Freifach Englisch.

Neben Schule und Familie waren Karl Klenk immer Musik und Volkstanz wichtig. «Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen!» soll ihm einer mal gesagt haben. K.K. sagte: «Das Tanzen, und vor allem das Volkstanzen, hält Körper und Hirn frisch und aktiv. Man muss dem Geist immer etwas zu tun geben.» Das hat ihn fit gehalten. Ende August 1988 nahm er als Pensionierter an einem Klassenlager in Wildhaus teil, um mit den Schülern einige einfache Volkstänze einzuüben. Die grösste Wanderungen führte von Wildhaus- Gamplüt über den Schafboden auf den Säntis. Viele Schüler hatten grosse Mühe mit diesen 1250 Höhenmetern. Der 76-Jährige dagegen aber meisterte den Aufstieg problemlos. Das Tanzen musste Karl dann erst in seinen 90-er Jahren aufgeben. Aber aktiv war er immer noch. So arbeitete er noch fast bis zu seinem Tod jeden morgen im Ortsmuseum und hat noch den Umgang mit dem PC gelernt.

K.K. war auch immer ein guter Zeichner und begabter Maler von Aquarellen. So hatte er bei seinen Reisen und Ausflügen stets einen Mini-Malkasten und postkarten-grosse Papiere bei sich und hielt die schönen Dinge der Welt mit einigen, sehr gekonnten Pinselstrichen fest, die auch als Vergrösserungen noch gut wirken.

Eine grosse Sorge war ihm auch die drohende Überbevölkerung der Erde und die Natur. Er kannte bis zuletzt noch die meisten Pflanzen mit ihrem deutschen und lateinischen Namen. Karl zeigte mir einmal voller Freude die sehr seltene Linaria purpurea, die auf seinem Gartenweg als geschätztes, kleines Unkraut wuchs.

1990 traf ihn dann ein harter Schlag, als seine liebe Maria, die ihn in allem unterstützt hatte, starb. Aber das selber Haushalten und Gärtnern hatte er bald im Griff. Und dank seinem Willen schaffte er das bis ans Lebensende im eigenen EFH.

Erst spät hat er das Auto einem Enkel gegeben. So war seine Mobilität zwar etwas eingeschränkt und statt im Orchester in Schlieren spielte er halt zu Hause Geige, bes. die geliebte „Hannelimusik“.       Ich habe mich für Karl gefreut, dass er auf ein so erfülltes Schul- und Privatleben zurückblicken konnte. 

Oft wurde er gefragt: "Wo liegt das Geheimnis eines so langen aktiven Lebens?"

Er sagte: „Gerne verrate ich euch, was man tun kann, wenn man gesund und munter hundert Jahre alt werden möchte, abgesehen davon, dass man mit seinen Eltern Glück haben muss, dass sie einem die guten Gene vererben :-) ."

1. Immer etwas Nützliches tun, aber nicht übertreiben.

2. Sich jeden Tag genügend körperlich und geistig betätigen.

3. Auf vernünftige Ernährung achten und täglich 1 - 2 Liter Wasser trinken.

4. Kein Salz, keinen Zucker, keine tierischen Fette dem Essen zufügen. Von allem hat es bereits genug drin.

5. Alkohol, Nikotin und Koffein absolut meiden.“

Ein gutes Rezept - aber wohl nicht für alle.

Als ich an seinem 100. G.tag hier eine kleine Ladatio halten durfte, sagte ich zuletzt: "Lieber Karl, was du für Dietikon warst und getan hast, füllte sicher ein ganzes Buch. Du warst ein halbes Jahrhundert Lehrer (ohne Burnout) und hast viel für die Jugend und die Stadt erreicht. Deshalb hast du ja auch das Ehrenbürgerrecht der Stadt Dietikon erhalten; wohl verdient! und bist doch immer bescheiden geblieben und gottlob fast immer gesund und munter.

Aber Karl Klenk nahm auch das nicht als selbstverständlich und sagte oft: «Ich bin froh, glücklich und dankbar, dass es mir so gut geht.»

Danke für die Aufmerksamkeit und viel Spass in der Ausstellung, die Regula Stauber mit ihren Gehilf/innen mit so viel Engagement zusammengestellt hat.

 

Karl Wiederkehr, ehemaliger Parallellehrer, der sich gerne an die gute Zusammenarbeit erinnert.