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La Lupa, Tessiner Sängerin und Zürcher Original, wohnt ihr halbes Leben lang an der Weinbergstrasse im Kreis 6

 

Schwungvoll wird die Tür aufgerissen. "Willkommen!", sagt Lupa mit weit geöffneten Armen, "ich hatte gehofft, ihr seid zu spät!" Und weg ist sie.

"Guten Tag", sagt Markus Herz, Lupas Ehemann. "Ciccio?! Luegsch, ob öppis fählt?", tönt es aus dem Bad. "Werum schminke? D Lüüt chönnt di doch emaal in natura gsee", rät Markus, ganz und gar nicht Ciccio (Dickerchen). "Lieber nicht!", gibt das Badezimmer zurück. Lupas Kopf lugt um die Ecke. Ein Augendeckel blinkt orange wie eine Kumquat. "Aaaah, diese Musik", sagt der Augendeckel. Napolitanische Lieder streichen den Wänden entlang. "Catariii, tu contenta nun siii", schluchzt der Sänger. "Roberto Murolo", erklärt das Bad, "der Einzige der "O sole mio" nicht kitschig singt." Nun sind beide Augendeckel orange. An der Stirn roter Lippenstift. "Gang mer ewägg! Immer dasselbe. Lippenstift. Überall! Dai, geht schon, setzt euch zu Tisch!"

Der Tisch ächzt unter einer Schiefereinlage; die Stabellen sind geschnitzt ("die sind von einem alten Schreiner vom Walensee"). Für fünf Jahre ihrer Beziehung liessen Lupa und Markus die Jahreszahl in die Lehnen kerben, angefangen beim Hochzeitsjahr. Sieben Stühle tragen eine Jahreszahl. Und der achte? "Der bleibt ohne Zahl", sagt Lupa, "das wäre ein schlechtes Omen." Beide Augendeckel blinken orange-türkis. Längs gestreift. Orange wie Lupas Haar ("echt rot, aber nicht so grell"). Und türkis wie ihre Augen. Und ihr Walla-walla-Kleid, das sie trägt wie eine wohlige Einzimmerwohnung.