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Made by Tschanz. Ein Film über Dietikon im Zweiten Weltkrieg

 

Am Sonntag, 21. Juni 2020 fand im Ortsmuseum Dietikon eine kleine Premiere statt: Zum ersten Mal führte die Kommission für Heimatkunde den jüngst erschienenen Film von Stephan Tschanz über die Limmatstellung im Zweiten Weltkrieg öffentlich im Parterre des «Strohmeierhauses» auf. Das rund 20 Minuten lange Werk des Berner Filmemachers stiess auf grosses Gefallen beim Publikum.

 

Die Limmatstellung, 1939-40

Im Frühling 2020 arbeitete der Berner Filmemacher Stephan Tschanz an einem Dokumentarfilm über die Limmatstellung im Raum Zürich während des Zweiten Weltkrieges: Die Limmatstellung wurde unter grossem Aufwand und unter hohem Zeitdruck 1939-40 von der Schweizer Armee erstellt und war Teil eines riesigen Befestigungssystems aus Bunkeranlagen und Panzersperren entlang der Linie Sargans-Walensee-Linth-Zürichsee-Limmat. Sie war die eigentliche Verlängerung der französischen Maginotlinie entlang des Rheins und sollte zur Verteidigung gegen die Bedrohung aus Hitler-Deutschland dienen.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war zu befürchten, dass bald ein Angriff aus Norden auf die Schweiz erfolgen könnte. Die Generalität hielt insbesondere das Limmattal für eine potentielle Einfallsachse der Deutschen Wehrmacht, weil diese dann von dort aus weiter über den Mutschellen oder auch über das Knonaueramt in die Innerschweiz hätte einfallen können. Aus diesem Grund wurde u.a. auch das kleine Dorf Dietikon zu einem stark befestigten Militärstützpunkt ausgebaut: Teilweise waren bis zu 6'000 Soldaten vor Ort, um die Arbeiten an der Limmatlinie voranzutreiben.

 

«Die Bunker haben viel zu erzählen»

Die Franzosen nannten ihre Verteidigungslinie: «Maginot», und die Schweizer: «Mag i no ko» – Schaff ich es noch? Denselben Titel trägt auch der neue Film von Stephan Tschanz, der die Geschichte der so aufwändig erstellten Limmatlinie eindrucksvoll dokumentiert hat. Dieses historisch sehr wertvolle Filmmaterial wurde nun am 21. Juni um 11:00 Uhr vor rund einem Dutzend Besucherinnen und Besuchern erstmals im Ortsmuseum Dietikon aufgeführt.


Zu Beginn richtete Arthur Müller einige begrüssende Worte an die Anwesenden und erklärte dann einleitend die militärstrategische Situation in der Schweiz während der Kriegsjahre 1939-40. Er ist Spezialist für die Dietiker Bunkeranlagen und hat wesentlich an der Entstehung des Films mitgearbeitet. Im Anschluss an die 20-minütige Vorführung sprach Regula Stauber, die Leiterin des Ortsmuseums, über die geschichtlich-kulturelle Bedeutung des Films für die Gemeinde Dietikon: «Ich schätze die persönliche Perspektive aus der Sicht von Stephan Tschanz, der Dietikon zuvor gar nicht gekannt hat. Als Protagonisten treten auch die beiden Söhne des Filmemachers auf, was für mich berührend wirkt, denn durch ihre Beteiligung wird eine gewisse Verbindung zur Gegenwart geschaffen. Die Mitwirkung der beiden Söhne lässt uns aber auch daran denken, wie viele ganz junge Männer in Kriegen schon ihr Leben verloren haben», sagt sie.


Die Kommission für Heimatkunde findet es wichtig, dass den noch bestehenden militärischen Bauten aus dem Zweiten Weltkrieg Sorge getragen wird. Mit ihren meterdicken Mauern sind die Bunker und die weiteren Befestigungswerke wichtige Zeugen aus einer vergangenen Zeit. Sie bilden damit bedeutsames Anschauungsmaterial für den Geschichtsunterricht. Die äusserst massive Bauweise macht deutlich, wie gross damals die Angst vor einem Überfall der Armee Hitlers war. Der neue Film über die Limmatstellung bedeutet daher für das Ortsmuseum Dietikon eine grosse Bereicherung. Weitere Aufführungen des Films sind für diesen Herbst geplant.

 

Text: Sven Wahrenberger, Fotos: Anton Scheiwiller.

Den Film von Stephan Tschanz finden Sie auch online auf: http://stadtverein.ch/


Bildergalerie Anton Scheiwiller