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Rede zum Dank-, Buss- und Bettag 2019

 

Liebe Dietikerinnen und Dietiker, liebe Gäste

 

Es wird heute immer wieder gesagt, man solle in die Zukunft schauen und nicht in der Vergangenheit kramen und doch glaube ich, dass ein Blick zurück manchmal eben auch wichtig ist, weil nur wer weiss woher er kommt, auch weiss wohin er geht.

 

Buss- und Bettage hat es in der Schweiz schon im Spätmittelalter gegeben. Bis Ende des 18. Jahrhunderts haben die eidgenössischen Tagsatzungen, häufig in Notzeiten, entsprechende Tage angeordnet. Wichtige Bedeutung hat der Dank-, Buss- und Bettag aber erst im Zusammenhang mit dem Sonderbundskrieg Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten – die Eidgenossenschaft drohte dazumal auf Grund eines konfessionellen Bürgerkrieges auseinanderzufallen; deshalb führte man einen fest verankerten Feiertag ein, der für Reformierte und Katholiken gleichermassen Gültigkeit hatte. Es entstand so ein staatspolitischer Feiertag, der die Politiker und die Gesellschaft dazu aufrief, sich auf christliche Grundwerte zu besinnen und sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen.

 

Wir sind in der glücklichen Lage, dass es seit dieser Zeit in unserem Land nie mehr zu kriegerischen Konflikten gekommen ist. Sie wissen, dass leider nicht alle Länder dieser Erde in einer solch privilegierten Situation sind – kriegerische Auseinandersetzungen, nicht zuletzt auch unter dem Deckmantel der Religion, finden leider immer noch an vielen Orten statt, teils auch nur wenige Flugminuten von uns entfernt; denken Sie bsp. auch an Nordirland, wo ein jahrhundertalter Konflikt zwischen christlichen Konfessionen wieder aufzubrechen droht.

 

Umso wichtiger ist es, dass wir dem Frieden in unserem Land Sorge tragen, nicht zuletzt in Zeiten, wo die religiöse Vielfalt ständig zunimmt und der christliche Glaube, auf dem unser Staatswesen in seinen Grundwerten letztlich darauf fusst, automatisch immer mehr unter Druck kommt.

 

Es gibt grundsätzlich keine gute oder böse Religion – es lässt sich überall ein schwarzes Kapitel in der Geschichte finden, genauso wie Gutes, da macht auch das Christentum keine Ausnahme; es sind schliesslich die Menschen, die mit ihrem Tun eine Religion ausmachen und damit die Verantwortung tragen, nicht die Religion selber. Mir kommt in diesem Zusammenhang ein Zitat des Dalai Lama in den Sinn, das besagt, dass die einzig wahre Religion darin besteht ein gutes Herz zu haben.

 

Die Wurzeln der heutigen Schweiz beruhen auf christlichen Werten und Traditionen – verleugnen wir unsere Herkunft nicht, sondern seien wir stolz darauf. Das soll uns aber trotzdem nicht davon abhalten, in einen konstruktiven Dialog mit anderen Religionen und Kulturen zu treten – für ein weiterhin friedliches Zusammenleben in unserem Land, aber auch in unserer Stadt ist das von grosser Bedeutung.

 

Damit Frieden in der Schweiz auch in Zukunft garantiert ist, heisst das aber auch, dass unsere Rechts- und Gesellschaftsordnung ausnahmslos und bedingungslos von allen Religionen und ihren Angehörigen respektiert wird, auch wenn unsere Grundordnung halt eben auf freiheitlichen Gedanken und christlichen Wertvorstellungen beruht.

 

Im Schweizer Psalm, den wir heute noch zusammen singen werden, heisst es u.a. «Betet, freie Schweizer, betet!». Unsere Nationalhymne ist 1841 entstanden, also mitten in den Auseinandersetzungen zwischen Liberalen und Konservativen, die kurz darauf zum schon erwähnten Sonderbundskrieg und schliesslich 1848 zum Bundesstaat geführt haben. Das Bemerkenswerte an der Entstehungsgeschichte unserer Nationalhymne ist, dass einerseits der reformierte Dichter Leonhard Widmer, der als radikaler Politiker galt und der katholische Mönch Alberik Zwyssig, übrigens aus dem Kloster Wettingen, die eigentlichen Väter des Schweizer Psalms sind:


Roger Bachmann Stadtpräsident Dietikon