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«Der stimmige Gottesdienst hat mich tief berührt» 


 

Dietikon Pontifikalgottesdienst im Syro-Malabarischen-Ritus mit dem indischen Erzbischof und Kardinal Mar George Alencherry in St. Agatha. VON CHRISTIAN MURER 

Feierlich läuteten an diesem Wolken verhangenen Samstagmorgen um 10 Uhr die Glocken der katholischen Kirche St. Agatha. Eine farbenfrohe Welt wartete am Eingang zum Gotteshaus: Erstkommunikanten, Ehejubilare, Klosterfrauen, Ministranten, Priester, Bischöfe und ein frisch gekürter Kardinal. Die Priester beeindruckten mit ihren Messgewändern aus Goldbrokat, die von wunderschönen Stickereien verziert sind. Ein paar Frauen trugen bunte Schirme. Unter den mächtigen Orgelklängen zogen all die indischen Gläubigen ins Gotteshaus ein. Dort zelebrierten sie mit dem neu ernannten indischen Erzbischof und Kardinal Mar George Alencherry und den beiden Churer Weihbischöfen Peter Henrici und Marian Eleganti im Syro-Malabarischen-Ritus einen reichlich festlichen Gottesdienst. 

Gottesdienst im Syro-Malabarischen Ritus

Die katholische Kirche ist eine Gemeinschaft von 22 verschiedenen Kirchen oder Riten, die nach eigener Rechtsordnung leben. Einer davon ist der Syro-Malabarische Ritus, dem auch viele indischstämmige Familien – die sogenannten Thomas-Christen – in der Schweiz angehören. So war es nicht nur für die aus Kerala in Südindien stammenden Thomas-Christen ein grosses Bedürfnis, Gottesdienste in ihrer Muttersprache und im heimatlichen Syro-Malabarischen Ritus zu feiern. Der Name Thomas-Christen geht auf die Evangelisierung durch den Heiligen Apostel Thomas im Jahr 52 nach Christus zurück. Der Begriff «Syro-Malabarisch» ist eine Zusammensetzung aus «syrianisch» oder «syrisch» und «malabarisch». Der heutige Staat Kerala war und ist auch unter dem Namen Malabar bekannt. Die Thomas-Christen haben im Laufe der Zeit viele liturgische Elemente aus der syrischen katholischen Kirche in ihre eigene Liturgie übernommen. Diese Liturgie hat durchaus Ähnlichkeiten mit orthodoxen Gottesdiensten. 

Papst wird anerkannt

Die Syro-Malabarische Kirche anerkennt den Papst als Oberhaupt und ist mit der Römisch-katholischen Kirche uniert. Das heisst, es besteht eine vollständige gegenseitige Anerkennung. Die syro-malabarischen Christen in der Schweiz gehören übrigens alle einer hiesigen römisch-katholischen Pfarrei an. Von dieser erhalten sie auch die seelsorgerische Betreuung. Unter sich treffen sich die indischen Christen in Gebetsgruppen und zu verschiedenen anderen Anlässen wie eben zu diesem feierlichen Gottesdienst in St. Agatha.

Von der Empore erklangen – leider etwas allzu lautstark – die zahlreichen Musikdarbietungen mit melodiösen, von modernen Rhythmen geprägten Gesänge – dargeboten von Solisten und einem Chor. Überall zierten prächtige Blumenarrangements den Altarraum. Weihrauch erfüllte das ganze Gotteshaus. Auf dem Altartisch standen das weisse Thomas-Kreuz und zwei Kerzen.

Geduldig «ertrugen» die Gläubigen das fast zweieinhalbstündige Pontifikalamt. Am Schluss erhielten die elf Erstkommunikanten von Kardinal Alencherry ein kleines Geschenk. Zudem segnete er die zahlreichen Ehepaare, die seit 25 Jahren verheiratet sind.

 Weltliche Feier in Schlieren

Nach dem Festgottesdienst in Dietikon feierte man in der Sporthalle Unterrohr in Schlieren weiter. Da standen vor allem das Mittagessen, zahlreiche Reden und Dankesworte auf dem Programm.

Zum ganzen Fest sagte Weihbischof Peter Henrici: «Die katholische Kirche ist wahrlich kein Einfärber. Denn die heutige Liturgie, die mich sehr beeindruckt hat, ist viel fröhlicher und vielfarbiger als die lateinische, die halt trockener und gemässigter daherkommt.» Und der Dietiker Pfarrer Kurt Vogt meinte: «Der stimmige Gottesdienst hat mich tief berührt. Zudem fand ich die Kombination mit den Erstkommunikanten und den 25-Jahr-Jubelpaaren recht eindrücklich.»

Bilder des Gottesdienstes