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Vier bewegte Jahre für die Klostergemeinschaft


Erste Renovations-Etappe im Kloster Fahr abgeschlossen

(pd/Kloster Fahr, 8.11.2016)Die umfassende Sanierung der barocken Klosterräume, vor allem die Erneuerung der Elektroanlagen zum Schutz von Personen, Gebäuden und Kulturgut, war ein immenses Unterfangen – das Team von Handwerkern, Restauratoren, geführt von Architekt Castor Huser und Dr. Isabel Haupt, stv.

Denkmalpflegerin des Kantons Aargau, haben Grossartiges geleistet. Und die Benediktinerinnen übten sich in Geduld: Während vier Jahren lebten sie in ihrem Kloster auf einer Baustelle. Am 9. November 2016 zügeln sie ins Kloster zurück. Weitere Sanierungsetappen für die Umgebung, weitere Gebäude ausserhalb des Klosters sowie Fassaden und Dächer sind bis ins Jahr 2030 projektiert.

 

Im «Toricelli-Raum» des Klosters Fahr begrüsste Priorin Irene Gassmann eine stattliche Zahl von Medienleuten zur Orientierung und Besichtigung; dabei auch Vertreterinnen und Vertreter der am Projekt Beteiligten – so der leitende Architekten Castor Huser, Frau Dr. Isabel Haupt, stv. Denkmalpflegerin des Kantons Aargau, Claudio Fontana, Restaurator sowie Toni Weiss, Projektleiter Holzbau Vögeli. 

  
 

In Bewegung in bewegter Zeit

Der sogenannte «Toricelli-Raum» sei, so Priorin Irene in ihrer Einleitung, exemplarisch für das Renovationsprojekt des barocken Konventgebäudes: «Einerseits wurde in diesem Raum ein Fresco der Gebrüder Toricelli entdeckt, die auch die Malereien in der Kirche und an der Aussenfassade gestalteten; andererseits ist zu sehen, wie aus fünf einstigen Abstellräumen ein funktionaler Mehrzweckraum entstanden ist – eine Verbindung von historischen und modernen Elementen. Dieses Konzept hat sich wie ein roter Faden durch die Renovation gezogen.» Während der vier Jahre des Umbaus lebten die zwanzig Ordensschwestern auf einer Baustelle. Priorin Irene: «In dieser bewegten Zeit war unsere Gemeinschaft im wahrsten Sinn des Wortes in Bewegung. Wir sind mehrmals umgezogen – 2013 der Klosterladen und die Paramentenwerkstatt in die leeren Räume der Bäuerinnenschule und ein Jahr später retour in die renovierten Räume im Kloster. Im September 2014 zügelte die ganze Klostergemeinschaft ins Internat der Bäuerinnenschule. Für zwei Jahre war das Schulgebäude unsere Klausur und wir Schwestern pendelten als "Grenzgängerinnen" täglich mehrmals zwischen Schule und Kloster, respektive St. Annakapelle und vom Kanton Aargau in den Kanton Zürich und zurück!» Flexibilität und Beweglichkeit der Ordensfrauen waren in allen Teilen gefragt – aber es entstanden auch kreative neue Ideen: «So wurde die Weberei, einst in der Klausur, nun in den neu sanierten Dachstock über der Pforte ausgelagert und die ehemalige Weberei wird für uns zur "Konventstube" und ist mit Lift und Rollstühlen zugänglich.» 


Charme und Aussagekraft der jahrhundertealten Räume erhalten

Der leitende Architekt, Castor Huser, Baden, meinte in seinen Ausführungen, dass die letzten grösseren Sanierungsmassnahmen an der Klosteranlage – ausser der Kirche – rund dreissig bis fünfzig Jahre zurücklägen. «Es ging bei den aktuellen Renovationen vor allem um die Sicherheit von Personen und Gebäuden sowie um die Erhaltung der einmaligen historischen Bausubstanz und des wertvollen Kulturguts. Auslöser der Arbeiten war die dringende Erneuerung der gesamten

Elektroanlagen mit beispielsweise noch baumwollumwickelten Drähten, die grosses Kurzschluss- und Brandrisiko aufwiesen.» Parallel zu den Installationen sind die reich ausgestatteten historischen Innenräume mit barockem Ausbau, Stuckdecken, Kreuzriemenböden und bemalten Täfern nach denkmalpflegerischen Kriterien restauriert worden. Castor Huser: «Als wichtigstes Restaurierungsziel galt es, den heutigen Charme und die Aussagekraft der über Jahrhunderte gepflegten Räume zu

erhalten.» Der Gästetrakt in der Propstei wurde restauriert, gefolgt vom Besuchertrakt, wo die Weberei aus dem Erd- ins Dachgeschoss ausgegliedert wurde. Im Weiteren wurden sämtliche sanitären Installationen in den dreissig Klosterzellen erneuert. Huser: «Die Schwesternzellen verfügen neu über

Warmwasser, ebenso die acht Gästezimmer im Dachgeschoss – die neuen Nasszellen und rollstuhlgängige WC-Anlagen befinden sich auf den Etagen. Zur Sicherheit gibt es überdies auf allen Geschossen neue Brandabschlüsse. »

 

Bijou Salve-Kapelle

«Die Räume haben Geschichte» meinte Claudio Fontana, beteiligter Restaurator am Projekt «und wir balancierten sorgfältig aus, damit die 57 Raumbereiche individuell behandelt wurden. » Die Zellen der Ordensfrauen wurden farblich zurückhaltend gräulich-weiss neu gefasst, die naturholzsichtigen Wand- und Deckentäfer und Türen gereinigt. Ein besonderes Bijou ist die Salve-Kapelle in der Klausur, in der eine Kopie der Schwarzen Madonna steht und in die die Schwestern jeden Tag nach der Vesper in einer Prozession laufen und dort das Einsiedler Salve Regina beten und singen: «Die mehrheitlich vergoldete Altarfassung wurde konserviert und restauriert; sämtliche Schadbereiche wurden fachgerecht mit Poliment ergänzt und mit Blattgold 23 ¾ Karat ausgebessert, bzw. neu vergoldet.»  

 

Drei Arbeitsjahre für die Holzfachleute

Unter anderem rund 1157 m2 Bodenfläche haben die Fachleute um Toni Weiss , Vögeli Holzbau AG, aufbereitet, ausgebaut, restauriert, wieder eingebaut, geschliffen und geölt. «Rund 6'200 Stunden, also 688 Arbeitstage kamen für unsere Handwerker zusammen – wir waren mit dem Team also rund drei Arbeitsjahre im Fahr am Werk. Und ich darf wie meine Vorredner sagen: Es war eine Freude mit den Klosterbewohnerinnen unter Leitung von Priorin Irene zusammenzuarbeiten.»

 

Denkmal und Geschichtszeugnis

Dieser Freude schloss sich auch Dr. Isabel Haupt, stv. Denkmalpflegerin des Kantons Aargau an. «Fahr ist ein Denkmal, ein Geschichtszeugnis, das sorgfältig behandelt werden muss. Das Konventgebäude, der Klostertrakt, der nun saniert wurde stammt aus der Barockzeit, ist also über dreihundert Jahre alt. Es galt, den  wertvollen historischen Bestand in seiner Substanz zu erkennen, mitsamt seinen Altersspuren zu bewahren und neue Elemente so zu gestalten, dass sich ein harmonisches Ganzes ergibt.»

  

Klausur wird wieder CLAUSURA

«Dieses harmonische Ganze ist mit der aufwändigen Renovation in allen Teilen gelungen,» resümierte Priorin Irene in ihren Dankesworten: «Dass diese umfassende Sanierung und Restaurierung möglich wurde, haben wir den vielen Wohltäterinnen und Wohltätern zu verdanken. Wir durften in den vergangenen Jahren grosses Wohlwollen erfahren von Gemeinden, Kantonen, Kirchgemeinden, Denkmalpflege, Stiftungen, Firmen und unzähligen Privatpersonen. 11 Millionen Franken kostete die nun vollendete Etappe und unsere Klostergemeinschaft hat, wie geplant, aus eigenen Mitteln eine Millionen Franken beigesteuert. Wir freuen uns, dass das Kloster am Rande der Stadt so grosse Wertschätzung geniesst. Das ist uns Verpflichtung – und wir haben weiterhin viel zu tun: Eine zweite Renovations-Etappe wird in den Jahren 2017/2018 behindertengerechte Wege und die

Aussenbeleuchtung schaffen, während in einer dritten Etappe (2017 - 2022) die Gebäude rund ums Kloster, wie Restaurant, Mühle, Landwirtschaft etc., saniert werden sollen und schliesslich in einer vierten Etappe - bis 2030 – die Dächer und Fassaden des Klosters. Allerdings halten wir uns weiter an unser Credo: Wir bauen nur, wenn wir die dafür notwendigen Finanzen zur Verfügung haben. Daraufhin arbeiten wir in den nächsten Jahren. Uns wird es nicht langweilig…. Aber zuerst freuen wir uns nun über die Rückkehr zurück ins Kloster.» Die Medienleute konnten sich anschliessend einmalig und exklusiv in den KlausurRäumen und auch in Besuchertrakt und Dachstock ein Bild von den grossen Leistungen des Umbaus machen. 

 

Nun ist die Klausur des Klosters, wie das Wort sagt, wieder CLAUSURA, also geschlossener Bereich der Klostergemeinschaft und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

   

Susann Bosshard-Kälin; Medienstelle Kloster Fahr


Bildergalerie Anton Scheiwiller

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