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Auch Erfolgsgeschichten können ein Ende haben

(pd – 28. Januar 2013, Kloster Fahr) Letztmalig konnte in der Bäuerinnenschule im Kloster Fahr der Abschluss eines Herbstkurses gefeiert werden. Im Sommer 2013 voll-enden die Benediktinerinnen vom Fahr ja bekanntlich nach 69 Jahren ihre Bäuerinnenschule. Zum zweitletzten Mal wurden 28 Absolventinnen nach intensiven Schulwochen würdig gefeiert. Und die Klostergemeinschaft liess es sich nicht nehmen, neben zahlreichen Gästen der jungen Frauen viel Prominenz aus Politik und bäuerlichen Verbänden zum Dank für ihre jahrelange Unterstützung zum Mittagessen ins Klosterrestaurant und zur Zertifikatsübergabe in die Klosterkirche einzuladen. Nicht weniger als sechs Regierungsräte aus verschiedenen Kantonen sowie zwölf Präsidentinnen oder Vorstandsmitglieder von kantonalen Landfrauen- und Bäuerinnenverbänden folgen der Einladung  – unter ihnen die Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen und Landfrauenverbands, Christine Bühler.
 

 Aus den Begrüssungsworten der Priorin des Klosters Fahr, Irene Gassmann, an die Gäste war klar zu vernehmen, dass es der Klostergemeinschaft ein grosses Anliegen ist, die Ära «Bäuerinnenschule Kloster Fahr» würdig abzuschliessen und bewusst zu voll-enden: «Der Entscheid unsere erfolgreiche Bäuerinnenschule im Juli 2013 zu schliessen, ist der Schwesterngemeinschaft nicht leicht gefallen. Aber die finanziellen und personellen Ressourcen mahnen uns, die Weichen für die Zukunft zu stellen und die Kräfte zu bündeln», meinte sie zu den Gästen in der vollbesetzten Klosterkirche.

 

Sorge tragen heisst Wertschätzung zeigen 

Neben den Regierungsräten aus den Kantonen Aargau, Obwalden, Solothurn, Schwyz, Uri und Zug folgten der Einladung ins Fahr auch Präsidentinnen und Vorstandsmitglieder der kantonalen Bäuerinnenverbände sowie des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands. Dessen Präsidentin, Christine Bühler richtete ein Grusswort an die Festgemeinde: «Der Leitsatz aus der Benediktsregel, der auf der Webseite der Bäuerinnenschule gewählt wurde, hat mich angesprochen – ‹Sie tragen Sorge für alles und alle›. Die wunderschöne Umgebung und die altehrwürdigen Gebäude hier im Kloster Fahr, alles zeugt davon, dass seit unzähligen Generationen zu allem Sorge getragen wurde. Darum strahlt alles eine einzigartige Würde aus. Zu etwas Sorge tragen bedeutet für mich Wertschätzung zu zeigen, aber auch etwas zu schützen, und zu beschützen – sorgfältig sein, Sorge tragen, zur Natur, zur Schöpfung.»  Einen politischen Exkurs tat sie mit der Äusserung, dass im Hinblick auf die kommende Abstimmung über die Revision des Raumplanungsgesetztes im Blick auf künftige Generationen auch der landwirtschaftlichen Nutzfläche besser Sorge getragen werden müsse. «Den Nächsten in der Familie, dem Partner aber auch den Mitmenschen gegenüber Sorge zu tragen ist ein gutes Rezept, um in Frieden zusammen zu leben.» Sie riet den jungen Bäuerinnen, neben den vielen Dingen im Alltag auch sich selber Sorge zu tragen. «Geistige und körperliche Gesundheit zu pflegen braucht Zeit, Zeit, die wir uns alle nehmen müssen. Sonst nützen die besten Vorsätze nichts.»   


 


 

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Mix aus Fach- und Lebensschule als Erfolgsfaktor

 Sein Bedauern über die Schliessung der Schule drückte der Aargauer Regierungsrat, Alex Hürzeler, Vorsteher des Departements Bildung und Sport und selbst Bauernsohn, aus: «Es ist bildungspolitisch sehr schade und ich bedaure es auch persönlich. Die Schliessung erfolgt bekanntlich nicht aufgrund mangelnder Nachfrage – im Gegenteil. Die vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie anerkannte Schule ist äusserst beliebt und die Warteliste jeweils lang. Und weiter führte er aus: «Die heutige Anwesenheit von Regierungsräten aus sechs verschiedenen Kantonen widerspiegelt die grosse interkantonale Bedeutung der Bäuerinnenschule, deren Einzigartigkeit in allen Landesteilen anerkannt worden ist. War in den Anfangsjahren wohl die Versorgungssicherheit ein wichtiger Beweggrund der Schule gewesen, hat sich die Ausrichtung laufend der Zeit angepasst. Wieso interessieren sich heute – in Zeiten von Fertiggerichten und Nahrungsmittelüberfluss – so viele junge Frauen für den Gartenbau, die Produkteverwertung oder die Hauswirtschaft? Zahlreiche Menschen suchen eine Alternative zu schnellem Essen, weiten Transportwegen, haben das Bedürfnis nach hoher und einheimischer Qualität sowie bewusster Lebensweise. Zudem bietet das Klosterleben eine wohltuende Abwechslung zum sonst häufig sehr hektischen Alltag Tür an Tür mit den Benediktinerinnen zu leben, in sich zu kehren und für fünf Monate ohne überschwänglichen Luxus auszukommen, ist ein sehr spezielles und gleichzeitig wertvolles Erlebnis! Dieser Mix aus Fach- und Lebensschule war sicherlich ein Erfolgsfaktor der Bäuerinnenschule. Die Bäuerinnenschule Kloster Fahr ist eine echte Erfolgsgeschichte in der Bildungslandschaft. Aber auch Erfolgsgeschichten können ein Ende haben.»

  

Letzter Kurs … und krönendes Abschlussfest 

Die Zertifikatsübergabe an die 28 jungen Frauen im Alter zwischen 19 und 31 Jahren und aus zehn Deutschschweizer Kantonen stammend, war der Höhepunkt der einstündigen Feier. Nach anspruchsvoller Ausbildung und zahlreichen Modulprüfungen erhielten sie aus der Hand der scheidenden Schulleiterin Theres von Aarburg ihre Zertifikate. «Ihr ward eine ehrgeizige und anspruchsvolle Klasse; 97 Prozent aller Prüfungen wurden mit Erfolg abgeschlossen. Mit einem Notendurchschnitt von 5,08 gratuliere ich euch zur erfolgreichsten Klasse meiner vierzehn Kurse.» Die Priorin dankte der Schulleiterin Theres von Aarburg mit lobenden Worten und einem Blumenstrauss für ihr Engagement und erweiterte den Dank auch ans ausgewiesene und engagierte Lehrerinnen- und Lehrerteam.

 Die Klosterfrauen im Fahr voll-enden im Sommer ihr Ausbildungswerk und schliessen die Tore der Bäuerinnenschule, solange sie sich noch daran erfreuen und mit Dank und Stolz auf eine fruchtbare und segensreiche Zeit zurückblicken können. Der allerletzte, ausgebuchte Kurs findet nun von Ende Februar bis Ende Juli 2013 statt.

Am 28. Juli 2013 dann steigt das grosse Abschiedsfest nicht nur für die 28 Teilnehmerinnen des Frühlingskurses, sondern für alle Ehemaligen – erwartet werden im Kloster Fahr zwischen 1000 und 1500 ehemalige Absolventinnen, Frauen verschiedenster Generationen und aus allen Landesgegenden und auch aus dem Ausland.

 Medienstelle Kloster Fahr, Susann Bosshard-Kälin